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Der heutige Tag hatte es in sich. Am Morgen waren wir in der Sprachenschule verabredet. Im dritten, bzw. ersten Semester wurden wir erwartet. Nach einer etwas zähen Anfangsphase, ergaben sich schnelle Kontakte. Wir erzählten von Deutschland, die Brasilianer von Brasilien. Beim gemeinsamen Mittagessen, wurde die Stimmung sehr locker und die Trennung fiel uns schwer. Deshalb war dann auch die Verabredung zum Tanz eine logische Folge.
Am Nachmittag waren wir in der Favela Barigüi. Zunächst gab es die Gelegenheit, einige Familien zu besuchen. Denen, die das Projekt und Curitiba schon kennen, werden die Namen bekannt vorkommen. So waren wir bei Sida und Geraldo, bei Yvonette, bei zwei weiteren, deren Namen ich im Moment leider vergessen habe. (Hier ist es gerade 2:15 nachts.) Da merkt ihr schon, dass der Tag sehr anstrengend war. Aber immer der Reihe nach.
Zu meiner sehr großen Freude gab es die Gelegenheit auch Donna Odette und Fabio zu sehen. Wir waren an und in dem Haus, was wir vor fünf Jahren bauten. Es war ein wunderbares Wiedersehen. Mir fehlen die Worte. Das Haus sieht immernoch super-chic aus. Es ist sehr sauber und gepflegt. Alles wurde neu gestrichen.
Odette, Fabio und ich fielen uns sofort in die Arme. Sie haben mich auf Anhieb wiedererkannt.
Als die Beiden dann erzählten, dass sie schon einige Jahre, etwa vier, nicht mehr in der Mission waren, haben wir sofort die Einladung für den heutigen Abend ausgesprochen.
Was soll ich sagen, sie kamen. Es war riesig.
Der Gottesdienst begann wie immer. Aber was sich die Jugendlichen dann ersonnen hatten, war so an unsere Herzen gegangen. Es gibt wenig Worte die das ausdrücken können.
Das Missionshaus war voll, es wurde gesungen, gehüpft, geklatscht und getanzt. Seit einigen Wochen gibt eine kleine Tanzgruppe, sie haben (extra) für uns einen Tanz einstudiert. Dann kam aber die Krönung. Es wurde eine Pantomime aufgeführt. Allen, auch den Brasilianern, standen die Tränen in den Augen.
Die Jugend erzählte von Gewalt, Drogen, Verzweiflung, Einsamkeit, Selbstmordgedanken und davon, den Gedanken an die Zukunft nicht zu verlieren.
Sehr tief beeindruckend und ergreifend, dass sind die Worte, die mir kommen.
Dann wurde noch ein 22. Geburtstag gefeiert. So endete der Abend als Fest. Donna Odette und Fabio sind bis zum Schluss geblieben. Als, quasi doppelte Zugabe, kam nach drei Jahren Abwesenheit Geraldo auch in die Kirche. Er stellte sich neben Sida. Die beiden haben zusammen gebetet. Das war ein schönes Bild. Sida kämpft gegen Depression und Geraldo gegen Alkoholismus. Ich werde diesen Abend nie vergessen können.
Gegen Mitternacht verließen Anika, Meike und ich die Mission. Wir haben noch das Essen für morgen gekocht. Es wird Kartoffelsuppe geben.
Es kann sein, dass in den nächsten zwei Tagen von mir keine Eintragungen kommen. Wir werden zwei Tage Urlaub nehmen und nach Foz do Iguazu fahren. Ich habe keine Ahnung, wie es dort mit Internetzugängen bestellt ist.